Gotha, der 20. November 2012.
Das Diakonische Bildungsinstitut Johannes Falk mit dem Sitz in Eisenach und Weimar-Holzdorf (DBI) befragt 50 Menschen mit Behinderung nach Ihrer persönlichen Bewertung ihrer Wohnsituation. Laut Auftragsgeber, dem Bodelschwingh-Hof Mechterstedt e.V., wird das Ziel verfolgt, den Wohnbereich im Sinne einer individuellen Bedarfsermittlung weiterzuentwickeln. Und das natürlich nicht an den Wünschen der Menschen vorbei: Ihre Stimme wurde beim Workshop ernst genommen. Durch vielfältige Gruppenarbeiten wurden fünf verschiedene Themenbereiche erfasst: Das Miteinander, Selbstverantwortung sowie Unterstützung, der Wohnbereich und nicht zuletzt der Hilfeplan im Sinne des neuen ITPs. Die Ergebnisse werden Anfang des neuen Jahres ausgewertet und für eine gelingende Zukunftsplanung des Wohnbereichs an den Bodelschwinghof weitergetragen. Mit der Organisation von Seminaren, Fortbildungen in beruflichen und persönlichen Bezügen vertraut, setzt sich das DBI für eine inklusive Gesellschaft und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ein. Dazu gehört es auch Menschen mit Behinderung gezielt an Planungs- und Gestaltungsprozessen, wie z.B. im Bereich Wohnen, teilhaben zulassen. Die Teilnehmer des Evaluationsworkshop sind in Wohnheimen, Außenwohngruppen aber auch in eigenen Wohnungen mit ambulanter Betreuung Zuhause. Sie bringen verschiedene Formen der körperlichen und geistigen Behinderung mit sich. Diese Vielfalt an unterschiedlichen Grundvoraussetzungen sowie die bewusste externe Befragung an einem neuen Tagungsort schaffte eine offene Atmosphäre Lob wie Kritik, Ideen und Vorschläge zu einem sehr privaten Thema zu äußern. Eröffnet wurde der Workshop mit alltagsnahen Rollenspielen von Schülern der Heilerziehungspflege des DBIs. Das Publikum erkannte sich in einigen Szenen, wie z.B. Hilfesituationen von Betreuer und Bewohner, dem Thema Zusammenziehen mit dem Partner usw., wieder. In einer intensiven Arbeitsphase von neun bis vierzehn Uhr rotierten die fünf Gruppen durch das Augustinerkloster in Gotha. Die Moderatoren des DBIs organisierten mit einem bunten Methodenkoffer, dass alle 50 Teilnehmer sich mit wichtigen wie sensiblen Themen auseinandersetzen konnten: Der Schwerpunkt „Das Miteinander von Bewohnern“ beinhaltete z.B. Konfliktlösungsstrategien, im Bereich „Selbstverantwortung“ wurden Rahmenbedingungen und Wahlmöglichkeiten z.B. von Essenszeiten ausgewertet. Auch die Frage „Wie wohne ich jetzt und wie würde ich meine Wohnung gerne umgestalten?“, kam nicht zu kurz. Gezielt wurde außerdem die individuellen Unterstützung, z.B. im Alter, und das neue Verfahren der individuellen Bedarfsfeststellung und integrierten Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung, kurz ITP, erfasst. Gespannt kann man auf die Ergebnisse sein, die in Planungsterminen einbezogen werden. Sicher ist: Die konkrete Lebenssituation, Ressourcen und Hilfemöglichkeiten im Sinne einer Qualitätsverbesserung in Versorgung und Wohnsituation wurden bewusst erfasst, um die Mitbestimmung von Menschen mit Behinderung in den Mittelpunkt zu stellen.